Selbsthilfegruppen
Viele Patienten mit chronischen oder seltenen Erkrankungen suchen in Selbsthilfegruppen den Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen. Auch für Angehörige bieten die selbstorganisierten Gruppen eine wichtige Lebenshilfe.
Dass sich Patienten und Angehörige in Selbsthilfegruppen zusammenfinden, um Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig zu helfen, ist keine Selbstverständlichkeit. Bedarf es doch der Bereitschaft, sich mit seiner Erkrankung und den damit verbundenen Problemen und Sorgen gegenüber anderen Menschen zu öffnen. Dies gilt insbesondere für eine der ersten Selbsthilfegruppen überhaupt, den Anonymen Alkoholikern (AA), die 1935 in den USA von einem Börsenmakler und einem Arzt begründet wurden.
Die psychologische Hemmschwelle, die es bei Suchterkrankungen zu überwinden gilt, fällt bei anderen Krankheiten ungleich niedriger aus. In jeden Fall überwiegt die Erkenntnis, dass es nur von Vorteil sein kann, den Dialog mit Menschen zu suchen, die mit ähnlichen gesundheitlichen Problemen konfrontiert sind, die bereits Erfahrungen damit gemacht haben, die Hilfestellung bei der Bewältigung und emotionale Unterstützung geben können.
Heute gibt es in Deutschland rund 100.000 gesundheitliche Selbsthilfegruppen – von A wie Allergie oder Adipositas bis Z wie Zungenkrebs oder Zeckenbiss. Und natürlich sind alle großen „Volkskrankheiten“ vertreten: zum Beispiel die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. (DAlzG), der Deutsche Diabetiker Bund e.V. (DDB) und der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) – um nur drei zu nennen.
Längst haben sich die Selbsthilfegruppen als ein wichtige Säule innerhalb der gesundheitlichen Versorgung etabliert. Und oft gehen sie über die praktische Lebenshilfe für ihre Mitglieder hinaus, indem sie zudem nach außen als Interessenvertretung fungieren.
In der Organisationsform und Arbeitsweise gibt es bei den Selbsthilfegruppen große Unterschiede. Mal sind es kleine regionale Gruppen, in denen sich Menschen mit chronischen Krankheiten sowie deren Angehörige lose zusammenfinden und gelegentlich zum Erfahrungsaustausch treffen. Diese offenen Gruppen haben oft weder die Rechtsform eines Vereins noch verlangen sie Mitgliedsbeiträge.
Demgegenüber gibt es nationale oder sogar länderübergreifende Organisationen sowie Dachverbände mit einer festgefügten Struktur und einem definierten Leistungskatalog. Sie fördern die Zusammenarbeit und den fachlichen Austausch unter den regionalen Gesellschaften. Es werden Kongresse organisiert, Seminare und Fachtagungen. Zum Angebot gehören Broschüren, Internetseiten und Infotelefone. Es werden Forschungsprojekte unterstützt und Datenbanken aufgebaut.
Ihre größte Bedeutung aber haben Selbsthilfegruppen zweifellos in der direkten Kommunikation und alltagsbezogenen Hilfestellung für Menschen mit chronischen Krankheiten, mit psychischen Problemen oder Behinderungen. Im direkten Wortsinne geben sie Hilfe zur Selbsthilfe – nicht zuletzt auch den betroffenen Angehörigen und Familien. Diese haben zum Beispiel bei Demenzkranken, die zu einem hohen Prozentsatz zu Hause gepflegt und betreut werden, einen hohen Bedarf an Erfahrungsaustausch und Motivation. Und wer könnte pflegende Angehörige besser verstehen als Menschen, die vor der gleichen Herausforderung stehen?
Wie findet man eine Selbsthilfegruppe? In Zeiten von Internet und Suchmaschinen wie Google ist das heute keine Schwierigkeit. Meist genügen die Stichwörter Selbsthilfegruppe und die jeweilige Krankheit. Darüber hinaus vermitteln Selbsthilfekontaktstellen und -portale (z.B. des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes) Adressen von Selbsthilfegruppen in der Region. Und mit NAKOS gibt es eine nationale Kontakt- und Informationsstelle, die auf Selbsthilfegruppen und Unterstützungseinrichtungen im gesamten Bundesgebiet verweist.
NAKOS (Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen)
http://www.nakos.de/site/adressen/datenbanken/
Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband
Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V.
http://www.dag-selbsthilfegruppen.de/site/
KOSKON (Koordination für Selbsthilfe in NRW)
BAG (Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung
und chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen e.V.)








