Der Frühjahrsmüdigkeit aktiv begegnen
Als Übergangsmonat ist der April gekennzeichnet durch ein wechselhaftes Wetter, das auch unter gesundheitlichen Aspekten irritierende Einflüsse zeitigt. Ein Phänomen ist die viel zitierte Frühjahrsmüdigkeit.

Der Volksmund weiß, was man wettermäßig vom vierten Monat des Jahres erwarten darf: „April, April - der macht, was er will." Sehr viel romantischer hat das Antonio Vivaldi in seinen berühmten Violinkonzerten „Die vier Jahreszeiten" zum Ausdruck gebracht. Im Frühling (La Primavera) simulieren Violinen das muntere Zwitschern von Vögeln, sie lassen Quellen plätschern und sanfte Winde durch Blätter rauschen. Dann aber bricht ein Sturm los, das Orchester lässt es gewaltig donnern und es zucken akustische Blitze durch den Frühling. Die Vermutung liegt nahe: Da hat sich Vivaldi vom launischen April inspirieren lassen.
Tatsächlich ist der April in Deutschland meteorologisch durch einen regen Wechsel von frühsommerlichem Wetter mit nasskalten und unwirtlichen Intermezzi charakterisiert. Zurückzuführen ist dieses unstete Erscheinungsbild auf die Temperaturgegensätze zwischen dem (noch) kalten Nordeuropa und dem (schon) erwärmten Süden am Mittelmeer. Zwischen diesen Fronten ist die Wetterlage zwangsweise instabil - und Kaltlufteinbrüche aus dem Norden gehören zum Programm.
Etymologisch lässt sich der April vom Lateinischen „aperire" (öffnen) ableiten. Ob damit das Öffnen der Knospen gemeint ist? Wohingegen der jahrhundertealte Brauch, sich am ersten Tag des Monats in den April zu schicken, im sprichwörtlichen „Aprilwetter" begründet sein könnte. Denn selbiges hält einen oft zum Narren.
Die Frühjahrsmüdigkeit ist weit verbreitet
Auch gesundheitlich kann der April mit Überraschungen aufwarten. Reagieren doch viele Menschen konträr zur allgemeinen Erwartung: Statt frühlingshaft munter fühlen sie sich müde und abgeschlagen. Auch diese „Frühjahrsmüdigkeit" hat Vivaldi musikalisch umgesetzt. In cis-Moll wird der Frühling plötzlich träge, die Geigen begleiten einen schlafenden Hirten -sogar das intonierte Bellen seines Hundes wirkt müde.
Stellt sich die Frage, ob es diese „Frühjahrsmüdigkeit" wirklich gibt. Eine große deutsche Wochenzeitung spekulierte vor einigen Jahren, dass die Frühjahrsmüdigkeit nichts anderes sei als ein „medizinisches Märchen". Der Artikel kam dann aber doch zum Schluss, dass an dem Phänomen etwas dran sei. In der Fachliteratur werden sogar Zahlen genannt: Mehr als 50 Prozent der Menschen leiden alljährlich unter der Frühjahrsmüdigkeit. Frauen und ältere Menschen sind davon in besonderer Weise betroffen.
Trotzdem ist die Frühjahrsmüdigkeit nicht sofort eingängig. Denn durch die vermehrte Sonneneinstrahlung wird die Produktion des stimmungsaufhellenden Hormons Serotonin angeregt. Gleichzeitig wird das „Schlafhormon" Melatonin unter Lichteinwirkung abgebaut. Infolgedessen müsste man sich stetig munterer fühlen und voller Tatendrang. Woher kommt dann aber das weit verbreitete Gähnen?
Eine Art „Jetlag"
In der Tierwelt gibt es das Phänomen der Winterschlafes. Während der kalten Jahreszeit verkriechen sich Igel, Murmeltiere oder Siebenschläfer an einen sicheren Ort, ihre Körpertemperatur sinkt ab, Atmung und Herzschlag verlangsamen sich. Braunbären machen es ähnlich, schlafen nur nicht ganz so tief. Allen Winterschläfern gemeinsam ist, dass sie im Frühjahr von ihrer inneren Uhr „geweckt" werden.
Mit dem Aufwachen im Frühling vollzieht sich eine Umstellung des Stoffwechsels und des Hormonhaushalts. Das zumindest haben die Winterschläfer in der Tierwelt mit den Menschen gemeinsam. Der Organismus wird quasi vom Winterbetriebssystem auf Sommermodus umprogrammiert.
Für Tiere ist es überlebenswichtig, dass sie in wenigen Stunden hellwach sind. Sie schaffen das unter anderem durch ein Zittern der Muskeln, das ihren Körper wieder auf Normaltemperatur bringt. Beim Menschen vollzieht sich der Prozess der Sommeradaption sehr viel langsamer - obwohl er weit weniger drastisch erscheint.
Tatsache ist, dass auch beim Menschen im Frühling die Körpertemperatur (minimal) ansteigt. Die Blutgefäße weiten sich und in der Folge tendiert der Blutdruck leicht nach unten. Das allein kann schon müde machen. Wenn es dann noch dauert, bis das Schlafhormon Melatonin abgebaut ist, kann es eine Art „Jetlag" geben. Wie nach einem Langstreckenflug mit Klimawechsel hinkt der Körper im Frühling zeitlich hinterher. Er ist in der Jahreszeit noch nicht wirklich angekommen - und reagiert darauf mit Müdigkeit. Hinzu kommen gelegentlich leichte Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme.
Mit seinen oft stark ausgeprägten Temperatur- und Wetterschwankungen sorgt der April bei empfindlichen Menschen für zusätzlichen gesundheitlichen Stress. Im Wechselbad der äußeren Einflüsse weiß der Körper nicht richtig, worauf er sich einstellen soll.
Ein weiterer Einflussfaktor ist die Ernährung. Denn meist erfährt auch der Speiseplan im Frühjahr eine Umstellung. Der Körper muss sich erst daran gewöhnen, dass die im Winter überreiche Zufuhr von Kalorien, Fett und Kohlehydraten nun etwas reduziert wird - auch wenn er letztlich davon profitiert.
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